ADHS –
Medikamente und Therapien

Mich interessiert das ADHS-Thema ziemlich, weil ich es ziemlich fürchterlich finde, dass so viele Kinder schon von klein auf täglich Medikamente nehmen müssen und diese Medikamente auch noch sehr fiese Nebenwirkungen haben. Ich finde es für alle Kinder grausam. Dass es am meisten Jungs trifft liegt wohl daran, dass niemand mehr mit “wilden Jungs” zurechtkommt.

In einem Artikel geht es unter anderem darum, dass man viele Dinge über die Ernährung in den Griff bekommen kann. Auf so einen Gedanken hätte man früher kommen können. (“Dich sticht wohl der Hafer!” – Bei Pferden ist es ja durchaus z. B. auch so.) Lustig vor allem der Vorschlag, man solle auf Lebensmittel verzichten, die das Kind nicht verträgt. Hallo? Sowas sollte doch selbstverständlich sein, oder? Na ja, viele, die eine Laktoseintoleranz haben, peilen es ja auch nicht, dass man einfach mal auf Milch verzichten könnte. 😀

Man füttert seine Kinder also lieber mit Medis, als zu versuchen, es natürlich in den Griff zu bekommen. Janz schön asozial, wa?

Es wird auch bezweifelt, dass diese Medis überhaupt  helfen sollen. Nun ja, ich kenne mindestens zwei Fälle, in denen mir mitgeteilt wurde, dass die Medis durchaus eine Erleichterung für den Alltag seien.

Hier einmal zwei Artikel, die ich heute gelesen habe:
Bei Heise:
Untersuchung von nichtmedikamentösen ADHS-Therapien

Bei Telepolis:
ADHS-Medikamente wirkungslos?

Ich frage mich halt nur, warum die Diagnose “ADHS” so exponential steigt. Entweder werden wir alle über die Ernährung kirre gemacht, Erzieher und Eltern schaffen es nicht mehr, mit Jungs, um die es sich ja zumeist handelt, klarzukommen oder es steckt eine ganz andere Verschwörungstheorie dahinter. Ich weiß es nicht. Ich finde es für die Kinder halt nur grausam.

In den Artikeln sieht man allerdings auch wieder ganz deutlich die Interessen der Pharmaindustrie. Für die Erforschung von Therapien gibt es kein Geld, weil der Verkauf von Medikamenten ja darunter leiden könnte. Der enorme Anstieg der Diagnoasen hat der Pharmaindustrie ja ein Wahnsinnsgeschäft eingebracht.

10 Gedanken zu „ADHS –
Medikamente und Therapien

  1. ADHS ist gewissermaßen “mein Thema”, da ich meine Doktorarbeit darüber verfasst habe und währenddessen festgestellt habe, dass ich offenbar selbst unter unbeandeltem ADS litt. Ich habe das Gefühl, in den Medien wird schon seit langem immer wieder das Misstrauen vor Ritalin und Co geschürt und Eltern als verantwortungslos, faul oder überfordert dargestellt wenn sie ihre Kinder behandeln lassen. Da ich selbst Eltern von ADHS-Kindern kenne tut mir das immer in der Seele weh, da ich sehe wie sie sich oft dagegen wehren Medikamente zu geben weil sie Angst haben dann schlechte Eltern zu sein.
    Ich war vor meiner ganzen Recherche ziemlich Anti-Medikamente eingestellt und habe meine Meinung erst im Zuge dessen und durch meine eigenen Untersuchungen geändert (nein, ich wurde von niemandem finanziert ;)) Es ist schon ein krasser Unterschied ob ein Kind einen Aufmerksamkeitstest mit oder ohne Medis macht. Mit Medis sind die Ergebnisse meist normal aber ohne… Args (und da der Test ziemlich langweilig ist merkt man auch direkt beim Beaufsichtigen ob das Kind ADHS hat und sich nach etwa 2 Minuten für alles andere interessiert als für den Test^^)

    Aus der Recherche kann ich sagen, dass Ernährung nur bei etwa 1% der Kinder etwas bringt, nämlich dann wenn es sich um eine Lebensmittelunverträglichkeit handelt. Bachblüten usw sind eh für die Tonne. Neurofeedback könnte etwas werden aber derzeit wirken Medis noch am besten (70%). Wird ADHS nicht behandelt können einige negative Konsequenzen folgen wie z.b. Drogen/Nikotinkonsum (als “Selbstmedikation”, da sie das Gehirn stimulieren und helfen sich zu konzentrieren) oder Depressionen und ein schlechtes Selbstwertgefühl weil oft die Erfolge ausbleiben bzw. die Leistung weit hinter den Fähigkeiten zurückliegen.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich wie schlimm es ist wenn man sich einfach nicht auf den schulstoff konzentrieren kann und einem alles mögliche durch den Kopf geht, nur nicht der Unterricht.

    Langer Rede kurzer Sinn, die Links sind nicht wirklich vertrauenserweckend und es schadet sowohl Eltern von ADHS Kindern als auch den Betroffenen wenn Stimmung gegen nötige Medikamente gemacht wird. Besser ist es, nachzufragen und offen zu sein, bzw die Eltern darin zu unterstützen ihren Kindern zu helfen. Es ist eh schon hart genug wenn das Kind eine chronische Krankheit hat 🙂

  2. Jetzt habe ich meinen Artikel selbst nochmal lesen müssen, weil es so lange her ist, dass ich ihn geschrieben habe. 😉

    Ich finde, ich habe mich sehr gemäßigt ausgedrückt und mehr Fragen gestellt als eine Meinung zu vertreten. Ich frage mich halt nur, warum die Diagnose immer häufiger getroffen wird und warum es halt immer Jungs trifft.

    Letztens durfte ich noch sehen, wie eine Ärztin eine solche Diagnose gestellt hat. Es war einfach unverantwortlich. Es war genauso wie diese Kriterien für ADHS extrem leichtfertig formuliert sind. In diesen Kriterien werden ganz normale Kinder beschrieben. Ganz normale Kinder haben kein ADHS.

    Ich schrieb aber auch, dass ich Meinungen von Betroffenen gehört habe, die zum Inhalt hatten, dass die Medikamente durchaus helfen und Erleichterung bringen.

    Ich hinterfrage halt nur die Häufigkeit der Diagnose. Dass es auch um sehr viel Geld für die Pharmaindustrie geht, wird niemand anzweifeln dürfen.

    Ich bezweifle ja auch nicht, dass es dieses Bild gibt – mir tut gerade das Wort “Krankheitsbild” ein wenig weh. Krank werden sie nur durch Vorgaben durch die Gesellschaft gemacht.

    Ich werde Telepolis allerdings nicht als “nicht vertrauenswürdig” bezeichnen. 😉

    Ich bin auch froh, dass mein Sohn anscheinend von ADS und ADHS verschont geblieben ist.

  3. Mir gings u.a. um den ersten Absatz, also das “Man füttert seine Kinder also lieber mit Medis, als zu versuchen, es natürlich in den Griff zu bekommen. Janz schön asozial, wa?”…
    Ich will gar nicht ausschließen dass ADHS manchmal falsch, zu schnell oder von den Falschen diagnostiziert wird… ich persönlich komme halt aus einer Klinik (in der ich die Diss verfasst habe) in der die Diagnose sehr sehr gründlich mit Tests, Fragebögen, Beobachtungen etc. getroffen wurde. Wenn ADHS tatsächlich fachlich korrekt diagnostiziert wurde halte ich es für fahrlässig sein Kind nicht zu behandeln. Nicht weil es dann “anstrengender” ist sondern weil es dem Kind gegenüber nicht fair ist.
    Es geht auch gar nicht so sehr darum dass “die Gesellschaft” Erwartungen hat, es ist auch für Betroffene selbst sehr unbefriedigend. Stell dir vor du willst ein Projekt durchführen und sobald es etwas eintönig wird (was ja immer vorkommt wenn man arbeitet) machst du ständig Fehler, musst von vorne Anfangen, vergisst Dinge….. es nervt. Menschen mit ADHS haben auch eine erhöhte Unfallgefahr, z.b. im Straßenverkehr weil die Konzentration oft nicht so da ist.
    Das ständig zu kompensieren ist anstrengend.

    Dass dein Kind kein ADHS hat ist tatsächlich ein Glück 🙂 Wobei natürlich auf der anderen Seite von ADHS oft höhere Kreativität und Begeisterungsfähigkeit steht und die Defizite etwas aufwiegen kann^^

    Ich fand deinen Artikel (und die restlichen in deinem Blog) auch nicht aggressiv oder unfair, ich stoße nur oft auf diese Ablehnung der Medis (oder die Haltung dass Eltern es sich damit “zu leicht” machen und doch erstmal alles andere probieren sollten) und versuche da ein bisschen die andere Seite reinzukriegen. Btw., zu deinen Gedanken über Frauen und Gewalt habe ich neulich was geschrieben. “Feminismuskritik: Doppelstandards” falls es dich interessiert.

  4. Ich stolpere einfach mal rein. 😉

    “Man füttert seine Kinder also lieber mit Medis, als zu versuchen, es natürlich in den Griff zu bekommen. Janz schön asozial, wa?”…

    Könnte z. B. auch heißen, dass man sich um seine Kinder kümmert, anstatt ihnen Medis zu geben. Ich gehe IMMER von diesen Schnelldiagnosen aus. Die Diagnostizierung, von der Du sprichst, ist eine ganz andere. 😉

    “Stell Dir vor, Du willst ein Projekt durchführen und…” – Sage ich doch: Erwartungen der Gesellschaft. Man könnte versuchen, Menschen anders einzubringen, ihnen andere Aufgaben zuteilen. Wäre eine Möglichkeit. Es werden ja auch spezielle “frauengerechte Lehrstühle” in der Informatik errichtet. (Sorry, das war jetzt zynisch.)

    Merkst Du: Jemand funktioniert nicht so, wie er soll und wird medikamentiert.

    Btw.: Ich bin extreme HSP. Ich weiß, was es heißt, sich nicht auf gewisse Dinge konzentrieren zu können. Ich weiß, wie anstrengend es ist, gewisse Erwartungen zu erfüllen, während eigene Leistungen gar nicht erst wahrgenommen werden.

    Mal zusammenfassend zu meiner Meinung:
    Ja, ich bin der Ansicht, dass es ich viele Eltern zu leicht machen. Es gibt tatsächlich Menschen, die sich über das ADHS ihrer Kinder – ich weigere mich von KRANKHEIT zu sprechen – in den Mittelpunkt stellen wollen. Ich bin der Ansicht, dass viele Erzieherinnen einfach nicht in der Lage sind, adäquat mit Jungs umzugehen.

    Ich bin aber auch der Meinung, dass Medikamente hilfreich sein können und nicht pauschal verdammt werden dürfen. Ich frage nur, woher die ständig steigende Zahl der ADHS-Kinder kommt. Ich frage nur, warum es hauptsächlich Jungs erwischt. Ich frage auch nur, warum manche Diagnose viel zu schnell gestellt wird.

    Wenn sich die Beteiligten mit den Medikamenten wohl fühlen, sollen sie ja auch nicht verdammt werden. Ich selbst würde als krasser HSPler so schnell keine Medikamente nehmen, weil ich meine Wahrnehmung schätze. Ich weiß leider nicht, wie die Wahrnehmung eines ADHSlers ist. Ich weiß nur, dass ADHS-Kinder oftmals auch am Rande der Hochbegabung sein sollen. Daher frage ich mich, ob man DAS nicht in andere Bahnen lenken könnte.

    “Das ständig zu kompensieren ist anstrengend.”

    Ja, frag mich das mal. Ich bin alleinerziehender Vater und muss mich täglich der Herausforderung Kind stellen. In dieser Herausforderung habe ich einiges zu kompensieren. Das fängt bei mir unerträglichen kindlichen Geräuschen, die ein Kind machen MUSS an und hört bei meiner Ungeduld, die ich schwer in den Griff bekommen muss, auf.

    Ich sage ja auch lediglich, dass die Geschwindigkeit, in der der Großteil der Kinder “abgeurteilt” wird, beängstigend ist.

    “Dass dein Kind kein ADHS hat ist tatsächlich ein Glück 🙂 Wobei natürlich auf der anderen Seite von ADHS oft höhere Kreativität und Begeisterungsfähigkeit steht und die Defizite etwas aufwiegen kann^^”

    Ich befürchte allerdings, dass er auch eine HSP ist.
    Ah… Da ist es: Ich sprach oben von Hochbegabung, Du sprichst von höherer Kreativität usw.
    Ich glaube ja auch, dass wir uns grundsätzlich verstehen. Ich habe ja auch nur die Meinung, dass in der Diagnostik etwas schief läuft. (Womit ich nicht die Klinik meine, in der Du gearbeit hast oder noch arbeitest.)

    “Ich fand deinen Artikel (und die restlichen in deinem Blog) auch nicht aggressiv oder unfair, ich stoße nur oft auf diese Ablehnung der Medis (oder die Haltung dass Eltern es sich damit “zu leicht” machen und doch erstmal alles andere probieren sollten) und versuche da ein bisschen die andere Seite reinzukriegen. Btw., zu deinen Gedanken über Frauen und Gewalt habe ich neulich was geschrieben. “Feminismuskritik: Doppelstandards” falls es dich interessiert.”

    Das tut mir gut, wenn man mich nicht aggressiv und unfair auffasst. Ich lande schnell in Ecken, in die ich nicht gehöre. Ich hörte die letzte Zeit recht fiese Dinge.

    Ich überlege gerade, ob ich Deinen Artikel lesen will. Es ist gerade die letzte Zeit sehr anstrengend für mich, da ich als Opfer häuslicher Gewalt letztens als “jahrelanger” Täter hingestellt worden bin. Sowas nennt man in feministischen Kreisen wohl victim blaming.

    Aber schick mir einfach den Link. Ich werde ihn wahrscheinlich lesen. 🙂

    Nochmal:
    Ich glaube, wenn man uns ins TV zu dem Thema setzen würde, käme eine sehr fruchtbare Sache dabei raus. 😉

    1. Interessant, HSP und ADHS haben große Überschneidungen und manche sind ja der Meinung dass HSP eigentlich eine Form von ADHS ist – Vielleicht kannst du also die ADHS-Wahrnehmung doch besser verstehen als du denkst 😉

      Das mit den Projekten ist ja nicht nur ein Gesellschafts-Erwartungsding – jeder hat doch auch für sich selbst das Bedürfnis etwas zu schaffen, Dinge zu machen, etc. Das war gar nicht auf die Berufswelt bezogen sondern auf alles was einen dazu bewegt was zu tun.

      ADHS und Hochbegabung ist so eine Sache, da es zwar so ist dass Hochbegabung oft zu ADHS-“Symptomen” führt, bzw etwas das ähnlich aussieht. Kind langweilt sich, wird zappelig, etc. und deshalb eben manchmal Hochbegabung mit ADHS verwechselt wird. Im Allgemeinen gibt es aber keinen Zusammenhang und ADHSler sind im Schnitt genauso klug wie nicht-ADHSler. Sprich, es gibt welche die hochbegabt sind und auch welche die normal- oder weniger begabt sind.

      Ich finde die Variante sinnvoll den Kindern Medikamente für die Schule und manche Freizeitbeschäftigungen zu geben. So beschränken sich die Nebenwirkungen wie Appettitlosigkeit auf wenige Stunden aber das Kind kann trotzdem wo es nötig ist von der Konzentration her mithalten.

      Wahrscheinlich wäre eine Diskussion zwischen uns tatsächlich ganz interessant wobei ich fürchte dass wir dazu doch zu ähnliche Ansichten haben.

  5. “Wahrscheinlich wäre eine Diskussion zwischen uns tatsächlich ganz interessant wobei ich fürchte dass wir dazu doch zu ähnliche Ansichten haben.”

    Da könntest Du Recht haben. 😉

    Mag sein, dass ich ADHSler ganz gut verstehe. Ein ADHSler hat mir auch empfohlen einmal eine Medikamentierung auszuprobieren. Ich mag meine “Freakigkeit” aber. Ich habe Angst, dass mich eine Medikamentierung “glättet”. Dafür ist es sowieso zu spät. 😉

    Obwohl ich mir manchmal wünsche, ein weniger emotionales Leben zu führen. Andererseits stehe ich auf meine Emotionen. Na gut, es macht mich alles auch ein wenig wahnsinnig…. 😀

    “Wirre Gedanken in einer wirren Welt” halt. 😉

  6. “Sorry, but our system has recognised you as a spammer. If you believe this to be an error, please contact us so that we can rectify the situation.” – kam grade als ich den Kommi abschickte… ist er angekommen? Vermutlich wird das hier auch Spamgefiltert :/

  7. Verdammt. Das muss ich checken. Sowas DARF nicht passieren.

    Bei Twitter blocke ich zwar auch hin und wieder, weil ich viele psychisch nicht ertrage, aber wenn mir hier das auch noch abgenommen werden soll und dann noch falsch… DA bin ich aber sauer!

  8. Shit. Sch… WordPress. Habe Deinen Kommentar als “nicht spam” markiert und dann ist Dein Kommentar in den unendlichen Weiten verschwunden. 🙁

  9. Vielleicht waren es zu viele Kommentare heute? Wobei dann der letzte wohl auch geblockt worden wäre. Links habe ich auch nicht reingepackt… ich kanns mir nicht erklären warum der vorletzte Kommentar weggefischt wurde und der letzte durchkam. Vielleicht findet er sich im Spamfilter…. ist aber auch nicht dramatisch wenn nicht, es ging nur um meine persönlichen (nicht)Erfahrungen mit ADHS-Medis und kein großer Infomehrwert.

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