Narzissmus: Das Hohelied der Liebe

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Das Hohelied der Liebe

Nach der Mutter meines Sohnes mit Borderline habe ich noch eine Frau geliebt. Sie hat sich im späteren Verlauf als Narzisstin herausgestellt und hat ebenfalls tiefe Spuren hinterlassen. Eine Psychologe sagte mir einst: „Viele Leute ziehen diese Menschen einfach an.“ Daher lasse ich es jetzt schon seit einigen Jahren einfach ganz. Als HSP ist mir die Gefahr zu groß, erneut in eine emotionale Falle zu geraten.

Es gibt einen Spruch:

Nur wer sich selbst liebt, kann auch Liebe geben.

Dies mag stimmen, es gibt aber auch Menschen, bei denen ist für die Liebe zu anderen nicht viel Raum. Dennoch reden gerade genau diese Menschen ständig von Liebe. So auch die Liebe nach „meiner“ Borderlinerin. Sie hat sich jetzt sogar einen Teil aus dem „Hohelied der Liebe(Wikipedia) tätowieren lassen.

Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüßte und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.

Sie hat also jetzt einen halben Roman – 32 Wörter – auf dem Rücken. Natürlich geht es bei einem Narzissten dann auch um die Liebe. Was bewegt einen Narzissten denn mehr, als die Liebe zu sich selbst? Leider verwechseln sie die Liebe zu sich selbst mit der Liebe zu anderen.

Narzissten erwecken dementsprechend auch das Bild, tatsächlich in Liebe zu anderen geraten zu können. Das Motiv allerdings ist es, sich selbst als liebender, als gefühlvoller Mensch zu erleben. Es geht nicht um den Menschen, es geht um das Gefühl ein empathisches Wesen zu sein. Nur ein Mensch, der das Befinden eines derartig Selbstverliebten nicht stört, kann in ein solches Theater der Gefühle als Darsteller geraten. Manchmal reicht eine Kleinigkeit, dass dieses Theaterspiel abrupt beendet wird.

Die Dame mit dem halben Roman auf dem Rücken erzählte mir einst, dass ihre Gefühle zu einem Partner auf der Stelle erloschen seien, als sie ihn beim Pornosgucken erwischt habe. Das ist für einen Menschen mit übersteigerter Eigenliebe tragisch, daher er nicht mehr im Mittelpunkt steht. Das sexuelle Begehren des anderen richtet sich ebenfalls auf andere Menschen. Wie verletzend muss das im ewigen Kreislauf der Selbsterhöhung sein?

Tragisch ist es, dass ein Mensch in Selbstverliebheit über das ständige Gerede von Liebe und Leidenschaft, den Eindruck erweckt, ein gefühlvoller Mensch zu sein. Spätestens aber, wenn die im Gerede erzeugten Bilder vom anderen aus Sicht des Selbstverliebten gestört wird, zeigt sich die Wahrheit. Kommt es zu Diskrepanzen wird deutlich, dass der Narzisst zwar Argumente des amderem vom Sinn her versteht, diese den Weg aber nicht in die Berücksichtigung finden. Nur das eigene Empfinden hat Belang.

Am Ende wird es nur um die vermeintlichen Bösartigkeiten des Anderen gehen. Wie verletzend er doch war, wie blind für die Gefühle des Ichbezogenen. Schildet der Andere seine Verletzlichkeit, werden diesen Schilderungen mit Vorwürfen begegnet. Es besteht zumeist keine Chance durch den Kokon der Selbstverliebheit zu brechen. Die Wahrnehmung des Gegenüber als emotionales Wesen findet nicht statt. Eine Auseinandersetzung mit einem Narzissten kann man nur verlieren. Man kann nur verlieren, da man emotional auf der Strecke bleibt.

In vielen Diskussionen stellte sich immer wieder heraus, dass eine Wahrnehmung meiner Worte nur stattfand, um sich selbst im Mittelpunkt der Diskussion zu halten. Hat man den Punkt erreicht, an dem das Theaterspiel der Liebe gestört ist, wird es dem Borderliner immer ähnlicher. Jeder Satz, den man sagt, jede Geste, die man macht, kann zu den schwersten Vorwürfen führen. In diesen Vorwürfen steht immer der Selbstverliebte im Zentrum.

Borderline und Narzissmus sind eng miteinander verwoben. Beim Borderliner aber ist der Narzissmus kein Dauerzustand. Das sagen zumindest meine Erfahrungen. Beim Borderliner wechselt sich die Liebe mit dem Hass ab. Beim Narzissten gibt es nur Platz für die Liebe zu sich selbst.

 

 


 

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12 Gedanken zu „Narzissmus: Das Hohelied der Liebe

  1. Ich habe selbst Erfahrungen mit narzistischen Frauen und kann diese Erfahrungen bestätigen. Für Männer sind narzistische Frauen besonders gefährlich, da zunächt einmal der Anschein echter Bindung erzeugt wird.

    1. Ich dachte zunächst, ich hätte tatsächlich mit dem „überempathischen Wesen Frau“ zu tun. Dieses Bild hat sich insgesamt mittlerweile relativiert und bei der narzisstischen Frau insbesondere.

      Mir wurde auch „echte Bindung“ vorgetäuscht.

      1. Für mich ist das Thema der asymmetrischen, emotionalen Bindung der Geschlechter aneinander von größtem Interesse: Die völlig unterschiedliche Lebensituation der Geschlechter muß massenhaft folgen für die emotionale Entwicklung haben.

        Einerseits leben Männer ein viel härteres Leben, sie sind nirgendwo willkommen und müssen sich alles erarbeiten, anstatt wie Frauen die Erfahrung zu machen, etwas geschenkt zu bekommen oder schlicht soziale Rechte zu haben. Andererseits sind Männer nicht wie Frauen mit diese Ideal der Übermenschlichkeit belastet, dem zu folgen die Bestätigung anderer Menschen braucht. Beides kann nicht ohne Folgen bleiben.

        Der Erfahrung nach sind Männer sehr viel inniger und ehrlicher an Frauen gebunden als Frauen an Männer. Der Mythos, daß dies anders sei, ist auch in der manosphäre nicht auszurotten.

        1. „Asymmetrische emotionale Bindung“ trifft es. Die falsche Wahrnehmung von Emotionen ist ein wichtiger Faktor. Beide Problemfälle – Borderfrau und Narzisstin – waren der Ansicht, ihre Sicht der Dinge sei unfehlbar. Dabei war ihre Realität tatsächlich lediglich ihre Höchsteigene. 😉

          Ich denke diese s. g. „Lebensrealitäten“ – um einen feministischen Ausdruck zu bemühen – sind tatsächlich männerfeindlich. Hätte mein Leben mit meinen negativen Erfahrungen der Gewalt und Diskriminierung eine Frau betroffen, wäre der #Aufkreisch groß. Das Leben eines Mannes ist tatsächlich härter. An Männer werden ganz andere Maßstäbe angelegt und man erfindet geschlechtsspezifische Beleidigungen für sie, die allerdings nicht als sexistisch gewertet werden. (testosteron- bzw. schwanzgesteuert usw.)

          Die sozialen Geschenke für die Frau hat natürlich Folgen. Viele Frauen sind überhaupt nicht in der Lage sich zu hinterfragen. Daher musste z. B. Kant auch männlich sein.

          Der Druck auf Männer ist viel größer. Natürlich äußert sich dies im Verhalten. Leider ist dieses Verhalten zum größten Teil auf sich nicht selbsthinterfragende Frauen fixiert. Diese Fixierung geht so weit, dass sich selbst viele „Männerrechtler“ nicht hinterfragen. Das stimmt schon.

  2. Klassischer Anfängerfehler. Frauen können nicht wie Männer lieben. Frauen lieben den Nutzen eines Mannes. Männer lieben die Person. Sagen mir jedenfalls die Scheidungszahlen.

      1. Fast alle Männer sind anfangs hoffnungslose Romantiker, mach dir nichts drauß. Wichtig ist es, ohne Verbitterung von der Vergangeheit zu lernen. Und Frauen möglichst wenig Aufmerksamkeit zu schenken, dadurch wird ein Leben herrlich ruhig.

          1. „Ich bekomme nur noch Herzinfarkte wegen meines Sohnes“

            Solch ein Rabauke? Ich weiß noch dass meine Eltern die Wände hochgegangen sind, weil ich als 6-8-Jähriger andauernd zu spät nach Hause gekommen bin (nach zehn).

            Möchte mir gar nicht vorstellen ein Kind zu haben, bei den heutigen Schulen/der Zukunft dieses Landes. Aber als ITler kannst du wahrscheinlich auch aus Südamerika heraus arbeiten.

            Alles Gute für dich und deinen Sohn.

            1. Nein, mein Sohn ist halt nur König des „passiven Widerstands“. Er ist friedlich. Er verweigert sich nur gern komplett. Halb so wild. Ich mag ihn so, wie er ist. 😉

              ITler – das war einmal. Ich bin zu lange raus und bin eher Allrounder im Bereich geworden. Muss mich endlich umorientieren. Programmieren usw. geht nicht mehr. Webadministration etc. klar. Mal sehen.

              Danke!

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