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Clip: Über die Karlsbrücke von Prag – Podcast: Smetana – Die Moldau

Karlsbrücke von Prag - Pelzblog

Ich war mit meinem Sohn und Freunden in Prag. Dort sind wir auch über die Karlsbrücke marschiert. Deutsche marschieren im Ausland, ist doch klar. 😛

Bei dieser kleinen Wanderung sind einige Videoaufnahmen, die ich zu einem kurzen Clip zusammengefügt habe. Als Hintergrundmusik läuf Smetanas Moldau.

Der Clip: Die Karlsbrücke in Prag über die Moldau

Die Karlsbrücke

Sie zählt zu den ältesten Steinbrücken Europas: Die Karlsbrücke über die Moldau. Begrenzt von zwei Türmen ist sie nur für Fußgänger geöffnet und fast rund um die Uhr sehr belebt. Ein Muss für jeden Prag-Besucher, schon weil die Sicht über den Fluss und auf die Burg von hier aus einfach toll ist.

Die Karlsbrücke (Karluv most) verbindet über 16 Bögen die Stadtteile Malá Strana und Staré Mesto, also die Altstadt und die Kleinseite. Heute flanieren nur Fußgänger über die Brücke, doch das war nicht immer so: Seit 1883 war sie für die Pferdebahn und Anfang des 20en Jahrhunderts auch für die elektrische Straßenbahn geöffnet. (…)

Die heilige Brücke – Karlsbrücke

Karl IV. schuf das gut 500 Meter lange Meisterwerk: die Karlsbrücke in Prag. Sie verbindet die Kleinseite mit der Altstadt – und ist gesäumt von Heiligen

Wenn ein Prager über diese Brücke geht, dann nicht nur, um von einem Ufer zum anderen zu gelangen. Dafür ist es hier viel zu voll. Ein Prager will auf der Karlsbrücke ein Stück in die Tiefe seiner Stadt vordringen, in eine andere Zeit laufen und womöglich zu sich selbst finden. Es gibt kaum einen tschechischen Schriftsteller, der sich nicht mit der Karlův most beschäftigt hat. Albert Einstein, 1911 für ein Jahr an der Prager Karlsuniversität als Gastdozent tätig, vermutete gar: „Der Weg zum Mond führt über die Karlsbrücke, dann beim Kleinseitener Brückenturm nach links abbiegen.“ (…)

Ein Podcast zu Smetanas Moldau

Eine Radiosendung, die sich mit Klassiker von Bedřich Smetana (* 2. März 1824 in Leitomischl; † 12. Mai 1884 in Prag) beschäftigt.

FRN: “Die Moldau

Moldau 1 (00:50)

Wer kennt sie nicht, die berühmte “Moldau”. Der tschechische Komponist Bedrich Smetana hat Mitte des 19. Jahrhunderts den Lauf der Moldau von ihren Quellen bis zur Mündung musikalisch beschrieben. Sie entspringt im Böhmerwald und hat zwei Quellen, die warme und die kalte Moldau. Sie durchfließt Gebirgsschluchten und die Ebenen Tschechiens, vorbei an Dörfern und kleinen Städten. Schließlich wälzt sie sich als breiter Strom an der alten Königsburg Vysherad vorbei und durch die Stadt Prag. Nach ungefähr 430 Kilometern mündet sie bei Melnik in die Elbe.

Smetanas Moldau ist der Inbegriff für naturbeschreibende Musik, für Programmmusik. Sie ist die poetische Idee des Fließens: eine Vielzahl an musikalischen Motiven versinnbildlicht das Plätschern, Fließen, Strömen und Wogen akustisch. Lassen Sie uns den Fluß begleiten, von der Quelle bis zur Mündung.

Zwei Quellbäche, der eine warm und lebhaft, der andere kühl und ernst, entspringen im Schatten des Böhmerwaldes; sie plätschern munter im Gestein und glitzern in der Sonne. Smetana bescheibt dies mittels zweier Querflöten. Die erste Querflöte beginnt und spielt die erste Quelle. Etwas später setzt die zweite Querflöte für den zweiten Quellfluss ein. Der Komponist verwebt die beiden Bäche ineinander, so wie das Wasser sich mischt und zu einem harmonischen Gesamtgebilde wird.

Moldau 2 (01:16)

Die fließenden Figuren der Einleitung vereinigen sich zu einer einzigen Figur in den Streichern. Aus den kindlich anmutenden Quellflüssen wurde ein Fluß: Die Moldau ist geboren.

Jetzt wird die Moldau bei ihrer Wanderung durch Böhmen wasserreicher , lebendiger, kraftvoller, die Musik beschreibt sie zunehmend heiterer und quirliger. Beim Durchfließen einer Gebirgsschlucht spürt man förmlich das Wilde, Gefährliche eines über große Felsen hinabstürzende Wasser, was Smetana mit Blechbläsern eindringlich schildert. Geheimnisvoll rauschend schlingt sich die Moldau dann durch dunkle Kiefernwälder, aus denen das muntere Treiben einer Jagd hallt.

Moldau 3 (00:51)

Folgend wir der Moldau durch liebliche Auen, saftige Fluren und fruchtbare Ebenen. An ihren Ufern feiert das Landvolk mit fröhlichen Weisen und heimischem Tanz eine Dorfhochzeit. Da dürfen Geiger und eine Polka natürlich nicht fehlen

Moldau 4 (00:44)

Die Nacht senkt sich zur Erde, der Hochzeitsjubel verstummt, geheimnisvolle Stille liegt über dem Land. Bei fahlem Mondschein beleben nun Nymphen und Nixen die Ufer und schwingen über den silberglänzenden Wellen ihren Reigen, während als Zeugen vergangener Herrlichkeit ernst und stumm Burgen und Schlösser auf den Hängen ragen, Mahnmale vergangener Größe und Glorie. Smetana läßt hier Geigen und Bratschen einen Reigen spielen.

Moldau 5 (01:07)

Die Idylle währt nicht lange: Von Felsen eingeengt, stürzen mit donnerndem Getöse schäumend die Wasser durchs Tal und bilden tückische Wirbel. Die Sankt-Johann-Stromschnellen, auf deren Klippen sich die wild aufbäumenden Fluten zu Gischt zerstäuben, beschreibt Smetana mit großer Dynamik und Tempo, bevor die Moldau in majestätischer Ruhe gegen Pragfließt wo sie der altehrwürdige Vyšehrad von hohem Felsen niederblickend, grüßt. Während der Komponist die Wildheit des Flusses zunächst mit Moll-Akkorden umsetzt setzt er dann das Moldauthema in ein strahlendes Dur: Eine Hommage an die Stadt Prag, weniger Pathos als Stolz auf die Hauptstadt und das Land.

Moldau 6 (01:48)

Und dann ist die Stadt auch schon wieder vorbei: Eine wellenförmige Bewegung der Melodie symbolisiert fließendes Wasser. In mächtiger Breite rauscht der ewige Strom vorüber- bis er in unabsehbare Fernen entschwindet und nicht mehr zu hören und zu sehen ist.

Moldau 7 (00:27)

Wie schön, wie idyllisch hier ein Fluss beschreiben wird. Wie würde Smetana wohl komponiert haben, hätte er die Zustände im Jahr 2002 schildern wollen? Ein richtiges Gedankenexperiment für das wir keine so rechte Lösung finden werden, aber es lohnt sich einen Blick zurück zu werfen:

In den ersten Augusttagen des Jahres 2002 lösten starke Regenfälle schwere Überschwemmungen und verheerende Schlammlawinen in Deutschland, Österreich, Polen, Italien und Tschechien aus. Entlang der Moldau, in der Tschechischen Republik, kam es zu schlimmen Verwüstungen. Das Weltkulturerbe Cesky Krumlov stand unter Wasser.

Auch in Prag beklagten die Stadtväter das Flutunheil. Vor allem das historische Mala-Strana-Viertel, wo sehr viele Gebäude auf Sand errichtet sind, war betroffen. Beim Zurückweichen des Wassers entstanden Hohlräume unter den Häusern. Dies bedeutete: Einsturzgefahr. Im ebenfalls unter Wasser stehenden Prager Zoo ertrank der Elefant “Kadir”. Viele Straßen und Bahnlinien waren unterspült.

In Prag beträgt der normale Durchfluss der Moldau 150 Kubikmeter pro Sekunde. In den Augusttagen des Jahres 2002 waren es 5300, also 35 mal so viel. Die Prager U-Bahn war monatelang außer Betrieb. Der Stadtteil Karlin musste evakuiert werden. Unersetzliche Kunstschätze wie die Sammlungen im St.-Annen-Kloster, das in einer Senke liegt, wurden in Sicherheit gebracht. 17 Menschen starben in Tschechien wegen des Hochwassers.
Nördlich von Prag, wo die Moldau in die Elbe mündet, wurde in Neratovicedas das tschechische Chemie- und Pharmawerk Spolana überflutet, Abfälle und Betriebsstoffe weggeschwemmt.

Rächt sich die Natur für das, was ihr angetan wurde? War das die Rechnung für unseren rücksichtslosen Umgang mit ihr? Was sind die Ursachen für diese Umweltkatastrophe, mit der wir jedes Jahr aufs Neue rechnen müssen?

Eine der Ursachen ist nach einhelliger Meinung der Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte. Er lässt den Feuchtgehalt in der Atmosphäre steigen, wodurch Die Niederschalgsmenge steigt. Klimamodelle belegen, dass in Europa mit einer mittleren Temperaturerhöhung von 0,1-0,4°C pro Jahrzehnt zu rechnen ist. Nicht klar ist ob die einzelnen Regenfälle übers Jahr ergiebiger werden oder ob es verstärkt zu solchen Entladungen wie 2002 kommt – innerhalt kürzester Zeit gewaltige Wassermassen.

Neben dem zu hohen Emissionen von Kohlendioxid sind die Eingriffe des Menschen in den Natur- und Wasserhaushalt wie das Begradigen der Flüsse, das Versiegeln der Böden sowie die Bebauung der Flussauen. Der Mensch und sein Verhalten der Natur gegenüber ist das Problem. Es stellt sich die Frage: Ist Smetanas romantisch-wilde Beschreibung der Moldau wegen unseres Fehlverhaltens schon heute nur noch ein Mythos?


 

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