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Offener Brief an
Frau von der Leyen und Frau
Schröder (Familienministerin)

Ich veröffentliche jetzt hier nochmal einen offenen Brief, weil dieser Brief nahezu im Nichts verhallt ist. Der Brief ist sehr schnell heruntergehackt worden. Rechtschreibfehler sind möglich. 😉


Frau Ursula von der Leyen,
Bundesministerin für Arbeit und Soziales
Frau Dr. Kristina Schröder,
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
– offener Brief –

Sehr geehrte Frau Schröder,
sehr geehrte Frau von der Leyen,

erstaunt nahm ich zur Kenntnis, dass am Weltfrauentag drei Väter durch Sie, Frau Schröder geehrt worden sind. Das finde ich sehr mutig. Merkwürdigerweise gab es aber keinen großen Aufschrei.

Allerdings habe ich mich, als alleinerziehenden Vater, gefragt, warum ich die Bewerbungsprozedur verpasst habe. Ich hätte mich auch gerne um eine Auszeichnung als Vater beworben, da ich seit fast vier Jahren meinen Sohn ALLEINE betreue, da seine Mutter verstorben ist.
Gut, ich hatte vorher mit ihr einen Sorgerechtsprozess um das Sorgerecht meines Sohnes, weil sie psychisch sehr krank war. Sie hatte Borderline. Dieses Borderline hat mich geradewegs in eine Therapie befördert und ließ mich arbeitslos werden.
Daher hatte ich das Pech, dass ich meinen Sohn arbeitslos endlich bekommen habe; endlich – nun ja – bloß zu welchem Preis? Mein Sohn wächst nun ohne Mutter auf. Den Sorgerechtsprozess habe ich natürlich verloren, weil es in Deutschland nicht wirklich leicht für einen Vater ist, das Sorgerecht zu erhalten, auch wenn die Mutter des Kindes psychisch schwerstens erkrankt ist.

Ich war ja nun auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zunächst habe ich mich gefragt, ob es ein Ministerium auch für Männer gibt. Gibt es nicht. Okay. Dann ist mir aufgefallen, dass dort „Gewalt gegen Frauen“ sehr stark thematisiert wird. Ich möchte dieses Problem nicht absprechen; ich möchte aber feststellen, dass ich in drei Beziehungen Gewalt durch Frauen erfahren habe. Die Hilfe, die ich erhalten habe, ging gegen Null. Ich wurde – als ich Gewalt durch die Mutter meines Sohnes erfahren habe – bei der Polizei sogar ausgelacht. Mir wurde nicht geglaubt. Als ich beim „nächsten Mal“ dann direkt mit einer heftigen Platzwunde über dem Auge hingegangen bin, wurde mir endlich geglaubt.

Es hilft nur nichts, wenn entsprechende Anzeigen direkt durch die Staatsanwaltschaft eingestellt werden, weil man im gleichen Haushalt verbleibt. Ich musste dort verbleiben, weil ich mir Sorgen um die Kinder machen musste. (Die Mutter meines Sohnes hatte noch ein Kind von einem anderen Mann.)

Die Mutter meines Sohnes war schwer suizid gefährdet und hat u. a. auch Drogen konsumiert. Nun ja, wie dem auch sei: Ich habe in drei Beziehungen von drei verschiedenen Frauen Gewalt erlitten, aber es wird nur Gewalt gegen Frauen thematisiert. Es gibt Studien zu diesem Thema, die ganz klar äußern, dass die Gewalt auf beiden Seiten ungefähr das gleiche Ausmaß annimmt.

Problematisch für den Mann ist nur, dass er ausgelacht und nicht für voll genommen wird, wenn er solche Dinge schildert. Als Mann lernt man von Kindesbeinen an, dass man Mädchen – und später Frauen – nicht schlägt. Man lernt aber nicht, wie man damit umzugehen hat, wenn eine Frauen einen schlägt. In meiner Grundschule hatte ich allerdings schon das Erlebnis, dass meine Klassenlehrerin ein Mädchen aufgefordert hat, mir vor der ganzen Klasse eine Ohrfeige zu geben.

(Das sollte mal umgekehrt passieren.)

Meine Erfahrungen lassen mich also verwundert dreinblicken, wenn ich an allen möglichen Stellen von Gewalt gegenüber Frauen durch den Mann, aber nirgends etwas über Gewalt gegenüber dem Mann durch die Frau lese, sehe oder gar in Gesprächen höre.
Ich hatte mir damals vor dem Sorgerechtsprozess sämtliche Vorkomnisse dieser Art notiert. Als ich auszugsweise welche vortragen wollte, wurde ich seitens des Richters unterbrochen, er hörte mir gar nicht zu. Er wollte lieber hören, wie die Mutter meines Sohnes von ihrer Borderlineerkrankung „schwärmt“. Diese wurde gegenüber dem Richter extrem verharmlost, obwohl sie sich in einer Tagesklinik befand.

Ach so, Frau von der Leyen könnte sich langweilen. Durch die Beziehung bin ich psychisch aus der Bahn geworfen worden. Ich wurde krank. Ich habe mich täglich stundenlang übergeben.

Alle möglichen Untersuchungen – inkl. einer Magenspiegelung – ergaben keinen Befund. Meine Ärztin konnte mich nicht mehr krankschreiben, ich konnte nicht arbeiten gehen, ich verlor kurz vor der Abschlußprüfung zu einer Ausbildung meinen Job.
Nachdem ich mich von der Mutter meines Sohnes und leider auch den Kindern getrennt habe, rutschte ich direkt ins Arbeitslosengeld II ab. Die Umzugskosten bekam ich nicht erstattet, weil mich „das Jobcenter ja nicht zum Auszug aus der gemeinsamen Wohnung gezwungen hätte“.

Das ist sehr höhnisch, wenn man bedenkt, dass die Mutter meines Sohnes sich in einer
Tagesklinik befand und gewalttätig war. Daher war ich dann schon im Alg-II-Bezug als ich meinen Sohn zu mir nehmen konnte. Er zog zu mir in mein Appartement. Hier hat mich das Jobcenter dann in keinster Weise unterstützt eine „angemessene Wohnung“ für mich und meinen Sohn zu finden. Die „Angemessenheit einer Wohnung“ ist derartig bemessen, dass es nahezu keine Wohnungen gibt, die für das Jobcenter angemessen sind. Wir waren auf eine Angemessenheit angewiesen, weil es sonst keine Umzugskostenerstattung gibt, auf die ich angewiesen war. Die Mutter meines Sohnes war nämlich derartig verschuldet, dass wir NICHTS aus ihrer Wohnung für meinen Sohn mitnehmen konnten. (Hätten wir etwas mitgenommen, hätten wir das Erbe angenommen und damit auch ihre Schulden übernommen. Schulden habe ich durch sie auch noch; wenn man nämlich zu zweit einen Energielieferanten beauftragt und der eine lässt sämtliche Mahnungen und Rechnungen verschwinden und teilt einem mit, das alles bezahlt sei… Raten Sie mal, wer die Schulden dann hat, wenn der eine verstirbt.)

Direkt nachdem mein Sohn bei mir war, wurde mir nahezu monatlich mit Sanktionen seitens des Jobcenters gedroht. Seine Mutter war noch nicht beerdigt, da hatte ich schon den Brief mit der Kürzungsdrohung im Briefkasten, dass mir meine Alg-II-Bezüge gestrichen werden würden, wenn ich nicht Kindergeld beantragen würde. Nun ja, zum einen ist es sehr geschmacklos solche Briefe zu verschicken, wenn man davon ausgehen kann, dass die Mutter noch nicht beerdigt ist und zum anderen hätte eine einfache behördeninterne Anfrage gereicht, um festzustellen, dass ich schon das Kindergeld beantragt hatte.

Nun ist es so, dass ich für meinen Sohn Wohngeld beantragt habe, weil er dann für seinen Lebensunterhalt allein aufkommen kann. (Kindergeld, Halbwaisenrent und dann noch Wohngeld.)
Nun ist es aber so, dass ICH vom Jobcenter SEIN Einkommen als Einkommen angerechnet
bekomme, das über seinem Alg-II-Satz liegt. Meinem Sohn wird also noch nichtmals seine
Halbwaisenrente gegönnt.

Da fragt man sich doch glatt, welchen Sinn soll diese Halbwaisenrente haben? Soll sie etwas ausgleichen, das durch das fehlende Elternteil entstanden ist? Wenn ja, warum kann sich das Jobcenter so schamlos daran bedienen?

Mein Sohn geht zum Jiu-Jitsu und hat Schlagzeugunterricht – ja, ich als Alg-II-Empfänger tue etwas für seine Bildung. Dadurch entstehen uns Kosten. Diese Kosten bekommen wir NICHT durch das Bildungspaket erstattet. Das sind z. B. Fahrtkosten in die Musikschule oder halt das nötige Metronom und das Übungspad usw.
Mein Sohn könnte sich das alles selbst leisten, wenn man ihm denn SEIN Geld lassen
würde. So muss ich von meinem Alg II „hinzubuttern“. (Das Alg II eines Kindes reicht vorne und hinten nicht, um ein Kind durchzubringen. Mein Sohn isst und trinkt z. B. mehr als ich, braucht mehr und regelmäßig Kleidung, Schulbedarf, Jiu-Jitsu-Kleidung, Schlagzeugmaterialien usw. Er bekommt aber nur einen prozentual heruntergerechneten Satz eines Erwachsenen.)

Schlimm ist auch, dass man durch das Jobcenter „ghettoisiert“ wird. Man wird „ghettoisiert“ indem nicht ausreichend Geld für die Unterkunftskosten zur Verfügung gestellt wird; denn wenn man in einer „unangemessenen Wohnung“ lebt, darf man die Nebenkostenabrechnung alleinig tragen. (Dass die Kosten, die im Alg II für den Strom vorgesehen sind, praktisch ein Witz sind, brauche ich ja nicht zu erwähnen.)
Auch die Berechnung des Wohnraumbedarfs für einen Alleinerziehenden mit Kind(ern) entbehrt jeder Menschlichkeit. Es wird einfach die Personzahl zugrunde gelegt. Es ist allerdings etwas anderes, ob man mit einem Partner zu zweit in einer Wohnung lebt oder aber mit einem Kind.
Stichworte: Schlafräume, Platz zum Spielen usw.
Für mich ist es auch sehr beklemmend, dass es für mich anscheinend nicht wirklich einen Ausweg aus dem Alg II gibt. Ich habe zwei Berufsausbildungen – Justizfachangestellter, Fachinformatiker Anwendungsentwicklung – und 10 Semester Studium der angewandten Informatik.

Sobald ein potentieller Arbeitgeber hört, dass ich alleinerziehend bin, macht er dicht. An Fortbildungen, um meine erworbenes Niveau zu halten, brauche ich gar nicht zu denken. Da macht das Jobcenter dicht. Das Jobcenter ist eher damit beschäftigt Menschen in der Behörde durch Mitarbeiter anbrüllen, demütigen zu lassen usw. Mir ist es mehrfach passiert, dass ich auf das Übelste dort beleidigt, bedroht und sogar einmal gleichzeitig von vorne und von hinten angebrüllt worden bin. Kurzum: Das Jobcenter handelt menschenunwürdig.

Ich fühle mich mittlerweile als alleinerziehender Vater, der aufgrund einer psychisch kranken Frau ins Alg II abgerutscht ist, bestraft. Den einzigen Trost, den ich habe, ist mein Sohn, den ich versuche so zu erziehen, dass er sich niemals so menschenverachtend anderen Menschen gegenüber aufführen wird, wie wir das erleben.
Ich fühle mich als alleinerziehender Vater in einer Welt lebend, die sich für mich, in meiner Eigenschaft als Alleinerziehender, feindlich darstellt. Eine Pädagogin meines Sohnes hat mich alleine aus dem Grund, dass ich alleinerziehend und ein Mann bin, zur Erziehungsberatung schicken wollen. Das könnte durchaus als Diskriminierung durchgehen.

Hier in Sankt Augustin, gibt es ein Buch mit Adressen für Frauen. Ein ganzes Buch voller Adressen liegt im Bürgerbüro aus. Ich habe nicht nach einem Pendant für Männer gefragt. Es wäre sinnlos.

Ich könnte auch noch so einige diskriminierende Vorkommnisse erzählen, seitens des Jugendamtes, seitens der Staatsanwaltschaft, seitens der Polizei – ich wurde als Gewaltopfer z. B. für zwei Wochen der Wohnung verwiesen usw.

Wie dem auch sei, ich wäre gerne Vater des Jahres geworden. 😉

Ich schreibe diesen Brief als offenen Brief in der Hoffnung, dass ihn wenigstens ein paar Menschen lesen. Ich habe ihn direkt heruntergeschrieben und nicht Korrektur gelesen. Man möge es mir verzeihen, aber ich bin die letzten Jahre in dieser für uns feindlichen Welt und möchte auch irgendwann mal gedanklich aus dieser heraus – und wenn es nur ist, um eben nicht Korrektur zu lesen.

Ach so:
Ich suche immer noch einen Job. 😉

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Jacobs

Sankt Augustin, 14.03.12

 

Edit:

Mittlerweile wohne ich in Berlin, da ich der Hoffnung bin, dass es hier eine bessere Kinderbetreuung gibt und ich endlich wieder arbeiten gehen kann.

Teilzeitjobs gibt es anscheinend fast nur für Frauen und in meinem Bereich sowieso nicht.

Berlin, 28.10.12

Ein Gedanke zu „Offener Brief an
Frau von der Leyen und Frau
Schröder (Familienministerin)

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