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Die Beschneidung von Jungs
bei Licht betrachtet

Es verwundert mich schon ein wenig, warum über das Thema „Beschneidung von Jungs aus religiösen Gründen“ so lange diskutiert werden kann.

Es kann und darf keine Argumente dafür geben, minderjährigen Jungs ohne medizinische Indikation die Vorhaut zu entfernen. Eine Entfernung der Vorhaut ist ganz klar eine Verstümmelung – oder wie nennt man es, wenn man Körperteile von Menschen abschneidet?

Was diese Menschen dann mit ihren Körperteilen gedenken zu tun, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben, soll uns hier nicht interessieren.

Fakt ist zunächst einmal, dass viele Menschen der Ansicht sind, dass religiöse Motive ausreichend seien, eine Beschneidung bei Jungs zu begründen.
Wessen Motive sind aber diese „religiösen Motive“? Es sind die „religiösen Motive“ der Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten. Es sind aber keineswegs die Motive des betroffenen Kindes.

Selbst wenn ein Kind diese Beschneidung befürwortet, kann man sich sicher sein, dass dieses Kind gar nicht abschätzen kann, welche Konsequenzen eine Beschneidung hat.

  • Es soll z. B. durchaus Männer geben, die unter ihrer Beschneidung fürchterlich psychisch leiden.
  • Es soll tatsächlich Männer geben, die durch die Beschneidung erhebliche Probleme haben, ihre Sexualität normal auszuleben.

Aber diese Argumente zählen bei den religiös argumentierenden Menschen nicht. Es ist auch verwunderlich, wie sehr auf einmal die Gleichstellung in diesem Fall außer Acht gelassen wird. Es handelt sich doch ganz klar um eine Körperverletzung, eine Verstümmelung. Man stelle sich vor, es ginge warum, kleinen Mädchen die Ohrläppchen zu kürzen. Man stelle sich vor, was dann los wäre. Ich möchte es gar nicht wissen.

Kleinen Jungs aber darf man Körperteile abschneiden, was z. B. ganz klar zu einer Veränderung der Sexualität führt.

Auch die Argumentation von Alice Schwarzer mit der Vorhaut als Ursache für den Gebärmutter-Halskrebs ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die endlich eine Gleichstellung von Frau und Mann anstreben.
(Alice Schwarzer zum Thema Beschneidungen)

Als kleine Anmerkung, Frau Schwarzer:
Es gibt kostengünstige Methoden um sich vor direktem Kontakt mit dem männlichen Geschlechtsteil zu schützen. Diese Methoden schützen z. B. auch vor Aids.
Aber zu fordern, dass Männer allesamt beschnitten werden sollen, ist nicht im Sinne der Gleichberechtigung, der Gleichstellung.

Man darf kein Kind dieser Welt verstümmeln, sei es ein Mädchen oder ein Junge.

Ganz toll äußerte sich auch unsere Familienministerin Schröder im Interview mit dem Spiegel.
(Interview Schröder, Spiegel, August 2012)

"Jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland muss möglich sein. 
Wir müssen also Rechtssicherheit dafür schaffen, dass Jungen 
beschnitten werden dürfen. Es muss absolut klar sein, dass die 
Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen nicht dazu gehört, 
sondern ein Verbrechen ist. Außerdem darf das Kindeswohl nicht 
einfach hinter der religiösen Selbstbestimmung oder 
Elternbestimmung zurückstehen. Ich bin deshalb dafür, dass 
religiöse Beschneidungen nur mit angemessener Anästhesie 
stattfinden und nur von einem Arzt durchgeführt werden sollen."

Die gute Dame unterscheidet also zwischen Gewalt, die Jungs widerfährt und der Gewalt, die Mädchen widerfahren kann. Sowas bezeichnet man gemeinhin als Diskriminierung.
Eine Verstümmelung unter Anästhesie ist desweiteren auch statthaft. Schon klar, es lebe die Demokratie. 😛

Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dass man durch die Genehmigung der Beschneidungen von Jungs, Ärzte mehr oder weniger zu Straftätern macht. Eine Verstümmelung von Kindern dürfte nämlich vor dem Bundesverfassungsgericht keine Chance haben. Wir befinden uns momentan anscheinend in einer Grauzone.

Wieso führt Frau Schröder ihre Gedanken zum Thema Kindeswohl fort?

Nebenbei:
Ich als Autor dieser Zeilen bin selbst beschnitten. Bei mir gab es allerdings eine medizinische Indikation und ich bin mir mittlerweile der gesamten Konsequenzen der Beschneidung bewusst.

Noch weiter nebenbei: 😉
Ein Freund machte mich auf einen Artikel des deutschen Ärzteblattes aus dem Jahre 2008 aufmerksam, in dem die Ärzteschaft sich schon dieses Themas angenommen hat.
Dort wird eindeutig zu diesem Thema Stellung genommen.
http://www.aerzteblatt.de/archiv/61273

So, jetzt habe ich keine Lust mehr auf das Thema; denn eigentlich sollte es jedem Menschen klar sein, dass man keinen Menschen – egal ob männlich oder weiblich – verstümmeln darf.

3 Gedanken zu „Die Beschneidung von Jungs
bei Licht betrachtet

  1. „kleinen Mädchen die Ohrläppchen zu kürzen.“

    Wieso kürzen?
    Ohrloch stechen ist doch schon KV – im Gegensatz zur m.Beschneidung(die ist keine KV, weil ist halt religiös, was w.Beschneidung nicht ist, was? in Afrika gehört das zur Religion? nein das stimmt nicht … weil … ist halt so!)
    Das hat Udo Vetter – bekannter Anwalt und Blogger (eine Beschreibung seines Charakters unterlasse ich an dieser Stelle zum Wohle aller Beteiligten) sehr gut zusammengefasst:
    https://www.lawblog.de/index.php/archives/2012/08/31/ohrlcher-fr-kinder-krperverletzung/

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