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Alltäglicher Sexismus aus der
Sicht eines alleinerziehenden Vaters

Es gab heute eine Situation, in der sich einige nicht vorstellen konnten, worüber ich rede, als ich gesagt habe, dass es nicht lustig ist, wenn mein Sohn sich in der Öffentlichkeit bei der kleinsten Berührung durch mich brüllend auf den Boden wirft.

Es wurden alle möglichen lustigen Sprüche vorgeschlagen, die ich in solchen Situationen von mir geben soll. Leider entsteht bei sowas immer nur eine wirklich widerlicher Situation, in denen selbstgerechte Frauen ihre Handys zücken und mit dem Jugendamt oder der Polizei drohen. Ein angetrunkener Mann – es war nachmittags – ist sogar vor meinem Sohn auf mich losgegangen. (Das hat meinen Sohn dann für einige Zeit ruhig gestellt; leider hat er diese Situation erfolgreich aus seinem Gedächtnis verbannt.)

Es ist so, dass anscheinend der Blick der Gesellschaft auf eine solche Situation der Folgende ist:

Da ist ein Mann und ein Kind schmeißt sich brüllend auf die Straße. Männer sind ja allein durch ihr Geschlecht gewalttätig, also hat der Mann dieses Kind geschlagen. Da muss man doch eingreifen!

Eine solche Situation ist beliebig reproduzierbar. Das appelieren an die Vernunft meines Sohnes ist bisher gescheitert, da er ja eine gewisse Macht verspürt. Mein Sohn soll aber nicht Thema sein. Thema ist der sexistische Umgang mit Männern und begleitenden Kindern. Es wird nicht hinterfragt, ob überhaupt Gewalt ausgeübt wurde. Das wird bei Männern einfach vorausgesetzt.

Üben Frauen tatsächlich Gewalt in der Öffentlichkeit gegen ihre Kinder aus, „haben sie wohl ihren Grund gehabt“. Ich bin auch überzeugt, dass mehr Frauen Gewalt gegen Kinder ausüben als Männer. Das sind Erfahrungswerte, weil ich als alleinerziehender Vater sehr viele alleinerziehende Mütter erlebt habe, die ihre Kinder geschlagen haben. Da Mütter mehr Umgang mit Kindern haben, haben sie auch mehr Gelegenheit dazu, auszuflippen. Das wird aber ignoriert, da allein der Mann gewalttätig ist. Der Mann ist gegen alles gewalttätig, was schwach ist. (Das ist nur meine Auffassung davon, wie es in der Gesellschaft gesehen wird.)

Es gibt aber noch viele weitere Situationen, in denen man als alleinerziehender Vater Sexismus erlebt. Das fängt bei den finsteren Blicken an, die man erntet, wenn man sich an den Rand eines Spielplatzes setzt, weil man direkt als Pädophiler gilt, der auf der Suche nach „Frischfleisch“ ist. Oder die Reaktionen, wenn man dort Konlikte lösen möchte. Frauen reagieren immer sehr aggressiv auf Männer, die versuchen Konflikte unter Kindern zu schlichten. Vielleicht ist das ja die Anst vor dem Verlust der Obrigkeitsmacht über Kinder. Ich bin kein Soziologe.

Weiter geht es bei Pädagoginnen, die einem entweder direkt die Erziehungsberatung empfehlen, weil man ja ein alleinerziehender MANN ist oder einen beiseite nehmen und einem nett ganz auführlich irgendeinen selbstverständlichen Mist erklären, wie man sein Kind zu ernähren habe, wie oft Kinder sich die Zähne zu putzen haben, wie man die Wäsche zu waschen hat, wie man sich um die Bildung seines Kindes kümmert usw.

Oder die Dame vom Jugendamt, die von einem als einzigen überhaupt – ich habe mit vielen alleinerziehenden Müttern gesprochen – ständig Nachweise über das erzielte Einkommen fordert. Diese Dame bedroht einen dann regelmäßig mit Einteilung in die höchste Beitragsstufe (für den Kindergartenbeitrag – hinzugefügt, damit die die Story nicht mehr stinkt), wenn man nicht die monatlichen Verdienste nachweist.

Oder die Dame von der Nachmittagsbetreuung, die dafür sorgt, dass eine Nachmittagsbetreuung gestrichen wird, weil man den Sohn einmal in der Woche etwas früher abholt, damit dieser zum Schlagzeugunterricht kann. Man bekommt dann gesagt, er müsse dann halt auf den Schlagzeugunterricht verzichten, wenn man auf die Betreuung angewiesen sei.

Ich könnte noch viel mehr Dinge über die Diskriminierung als alleinerziehender Vater erzählen. Es ist ein riesiges gesellschaftliches Problem. Daher empfinde ich es immer lächerlich, wenn ich so manchen Beitrag von #Aufschrei lese.

Es mag auch sein, dass das Ganze an meiner Statur und meinem Aussehen liegt:
Ich bin ein sehr klein geratener, langhaariger Typ, der anscheinend eine gewisse Ausstrahlung erzeugt, die solche Reaktionen hervorruft. Ich weiß es nicht. Ich weiß allerdings, dass mein Sohn aufwächst, dass er niemanden nach seinem Aussehen be- bzw. verurteilt. 🙁

Ach so:
Dass nebenbei hier überall die Zivilcourage an falscher Stelle praktiziert wird, brauche ich ja nicht zu erwähnen. 😉


 

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21 Gedanken zu „Alltäglicher Sexismus aus der
Sicht eines alleinerziehenden Vaters

  1. Hi Wolle,

    was eine unfassbare Scheiße, die du da immer wieder erfahren musst.
    Ja, das ist schlimmer als gedacht.

    Du musst das ganze aber in zwei Kategorien einordnen.

    Vorurteile
    Diesen sexistischen Mist den du angesprochen hast, auf dem Spielplatz oder auf Ämtern. Das ist eine beschissene Situation, erschwert dir das Leben und baut selbstverständlich Frust auf. Mein Mitgefühl dafür.

    Bedrohung
    Die von dir geschilderte Situation mit der Drohung des Jugendamtes. Das ist eine reale, akute Bedrohung, bei der du dich und kein Kind schützen musst. Das kannst du entweder offensiv angehen, indem du einfach nen dummen Spruch zückst oder durch „Körperlichkeit“ einschüchterst (was ich als einer der so handelt nicht empfehlen würde), oder passiv indem du es komplett ignorierst und weiter deines Weges gehst. Diese Menschen rufen niemanden an, die werden dir auch nicht hinterher gehen, sondern bellen nur.
    Wenn du aber stehen bleibst und versuchst zu erklären, zu rechtfertigen, gestehst du denen ein, dass sie richtig gehandelt haben. Und wenn du dich dann noch versehentlich falsch ausdrückst, könnte es ganz schlimm werden.

    Bitte entschuldige, dass ich nicht umher kam, dir Ratschläge zu erteilen, ich finde sowas einfach beschissen und will nicht, dass diese Menschen auch noch auf Gehör stoßen.

    Lg, der Adler

  2. Ach, Adler, ich habe doch nichts gegen Ratschläge. 😉

    Twitter war eben etwas anstrengend für mich, weil ihr MEINE Situation, die ich meinte, nicht nachvollziehen konntet. Daher habe ich dann meinen Blog als „TwitLonger“ benutzt. 😉

    Bei mir ist das Problem, dass ich durch viele Dinge, die ich in meinem Leben erlebt habe, eben nicht mehr immer nur vernünftig reagiere, sondern tlw. wie ein in die Ecke gedrängter Hund bin und schnappe. Aufgrund meiner Körperlichkeit ist es dann weniger körperlich aggressiv, sondern verbal aggressiv, was nicht immer zu meinem Vorteil gereicht.

    Daher finde ich gute Ratschläge auch immer gut. 😉

    1. he he he… Den Artikel habe ich vor einiger Zeit schon einmal gelesen. Er war mir aber als Link abhanden gekommen.

      Vielen Dank!

      Der Unterschied zu mir ist allerdings, dass meine erlebten Dinge tlw. eine noch tiefgehendere Qualität haben.

        1. Er schreibt sehr lustig.

          Ich höre zumeist:

          „Sie sind alleinerziehender VATER? Da haben Sie sich aber was vorgenommen!“

          Zumeist nimmt man sich nicht vor, alleinerziehend zu sein und es ist sch…egal, ob man Mann oder Frau ist. Nur Frauen denken zumeist, sie hätten einen genetischen Vorteil.

          Von Feministinnen rede ich jetzt erstmal nicht. Die sind ja in allem bevorteilt, außer im Kopf. 😛

  3. Darf ich als Kinderloser meinen Senf abgeben?
    Zuerst: ich kenne mehr Mütter als Väter, vor allem mehr alleinerziehende Mütter. Das kann meine subjektiven Beobachtungen noch mehr verzerren. Aber mein Eindruck ist, du hast recht, was imo daran liegt, die Mütter haben meistens ein Auftreten der Marke: Ich bin Mutter, ich bin besser, nimm Rücksicht, wehe man sagt mir was, vor allem kinderlose haben keine Ahnung. Während Väter weiterhin öfter keine Extrawurst wollen, bzw. nur im Notfall.
    Um das mit einem Beispiel zu unterstützen: Mutti fährt ihr 10-jähriges Kind zur Schule, weil ist ja alles so gefährlich, meinereiner ist seit der Einschulung alleine in die Schule gegangen. Und wehe man erwähnt das mal, wenn Mutti mal wieder mit der Begründung: ich musste mein Kind zur Schule bringen, zu spät kommt. Dann hat mein keine Ahnung von Erziehung und blabla bla. Und dann noch eher gehen weil Kind ja noch nach der Schule durch die Stadt muß um irgendwelcher Hobbies nachzugehen. Zu meiner Zeit gab es für solche Sachen Fahrräder und Straßenbahnen.
    Aber dafür bleibt Muttis Arbeit liegen, rate mal von wem erwartet wird, dass er die zusätzlich zu seiner Arbeit macht? Extrem krasserweise wird das nicht nur von Mutti sondern auch von Chefin erwartet. Weil unsere Heilige Mutti muss sich ja um das Kind kümmern.
    Während meiner Beobachtung Väter weniger Extrawürste seltener einfordern und dafür trotzdem sich um Nachwuchs und Arbeit kümmern. Ich bin Hilfsbereit und wenn Elternteil ins Krankenhaus muss, weil das Kind einen Unfall hat, arbeite ich auch mal mehr. Ich sehe es nur nicht ein, weil Elternteil ihrem Kind nicht beibringt Straßenbahn zu fahren, regelmäßig 15-30 min länger zu arbeiten (und nicht mehr Geld zu erhalten) bzw. um jede Minute die mal ich eher gehen will kämpfen muss, weil ich einen Arzttermin wahrnehmen möchte. Kurz es ist ein größeres Problem, Jens einmal im halben Jahr 30 min eher gehen zu lassen als Mutti 3-4 mal in der Woche.

    Diese Chuzpe fehlt imo den meisten Männern, deswegen wird ihnen nicht zugetraut, Kinder gescheit zu erziehen, Klappern gehört auch da zum Handwerk.

    Nicht alle Mütter sind so, viele leisten beruflich gute Arbeit und kümmern sich um die Kinder, aber viele Mütter nutzen ihr Kind, um sich Extrawürste zu sichern. Hilfsbereitschaft udn Unterstützung ja, aber dann für alle.

    Ebenso ist mein subjektiver Eidnruck, neigen Männern dazu, Kinder zu Selbstständigkeit zu erziehen, z.B. Kind fällt hin, Mann wartet das es aufsteht, während Frau quasi gleich en Notarzt ruft um einen blauen Fleck zu behandeln. Das wirkt erstmal weniger nett, bringt aber später im Leben mehr. (imo)

    Warum Männer, die Kinderinteressiert sind, z.B. Väter gleich in den Pädo-Verdacht geraten, weiß ich nicht. Das sollte unterbunden werden. Man kann nicht einerseits fordern, Männer sollen mehr Erziehungsarbeit leisten (sowohl Privat als auch Beruflich), und dann jedem Mann den Pädoverdacht aussetzen, der die Forderung erfüllt.

  4. Da stimmt was nicht.

    Warum sollte ein AE-Vater beim JA sein Einkommen nachweisen? Das JA ist nur für Unterhalt zuständig und den zahlt ja der nicht erziehende ET.

    Die Story stinkt!

    M

    1. Wenn Du „die stinkende Story“ richtig gelesen hättest, hättest Du gelesen, dass es sich um die Einteilung für Beiträge handelt. Mit ein wenig Fantasie wäre man darauf gekommen, dass es sich um die Kindergartenbeiträge handeln könnte.

      Mit Vorwürfen sollte man ein wenig vorsichtig sein. Gerade wenn es sich um ein solches Thema handelt. Ich werde es aber für Menschen wie Dich ausführlicher beschreiben.

      Ich befürchte, dass das einzige, was stinkt, Dein Kommentar ist.

  5. Es stinkt immer noch nach Fake. Als Vater kenne ich das Verfahren. Das Einkommen für den Kindergartenbeitrag wird jährlich nachgewiesen und nicht monatlich. Es bringt doch nix, wenn man Räuberpistolen für angebliche Diskriminierung erfindet. Es gibt genug echte Probleme für Väter.

    Das Problem ist doch, man wird unglaubwürdig, wenn die Story nicht stimmen kann. Und diese Geschichte ist erfunden, jede Wette!

    M

  6. …und gerade weil sich die Dame über dieses Verfahren hinweggesetzt hat, ist es sexistisch und asozial.
    Die Geschichte geht ja eigentlich noch weiter:
    Die Dame hat zu mir sowas gesagt wie „Ich kann keine Kopien für alle Leute machen, die zu dumm oder zu faul sind, Kopien einzureichen“.
    Auf meine Beschwerde beim Jugendamt über diese Mitarbeiterin erhielt ich ein lapidares „Diese Mitarbeiterin hat unsere absolute Deckung innerhalb Ihrer Tätigkeit.“

    Ich schildere hier nicht die Realität in Deutschland, um mich von Menschen wie Dir anfeinden zu lassen. Kannst Dir ja noch meine Artikel über meine Erfahrungen mit häuslicher Gewalt vornehmen. 😛

    Meine Beiträge schildern nichts als die Wahrheit.

    Du solltest bei Deinen Wetteinsätzen allerdings aufpassen. Diese Wette hast Du schon verloren.

  7. Laut deinem Blog besucht dein Sohn die Schule? Und du schreibst von Kindergartenbeiträgen????? Ist das schon länger her? Hast du mehrere Söhne?

    Mann – wenn du politisch was verändern willst, dann muss alles hieb und stichfest sein.

    Übrigens: gegen Schikanen geht man vor dem VG vor. Kostenlos! Deinen Fall hätte ich in 5 Minuten gewonnen und du willst vom Fach sein? Erzähl mir nix.

    M

  8. Mmh – ich bin alleinerziehnder Vater von 7 Kindern – und ich bin noch nie – in irgendeiner Weise – diskriminiert worden. Liegt das an mir? Oder liegt das daran, wie man seine Umwelt empfindet?
    Im Gegenteil erfahre ich viel Zustimmung on Wohlwollen, von allen Seiten. Das in Deinem Post beschriebene ist mir voellig fremd.
    Trotzdem ist es bedrueckend, dass es fuer Dich so ist.

    1. Mmh – ich bin alleinerziehnder Vater von 7 Kindern – und ich bin noch nie – in irgendeiner Weise – diskriminiert worden. Liegt das an mir? Oder liegt das daran, wie man seine Umwelt empfindet?

      Ich muss es Dir leider sagen: Es macht einen Unterschied, ob man 7 Kinder oder ein Kind als Mann zu betreuen hat. Du glaubst doch nicht, dass Dir auch nur eine Behörde ans Bein pinkelt, wenn über jeder Aktion die Gefahr schwebt, dass sich der arme alleinerziehende Vater von 7 Kindern an die Presse wendet.

      Was meinst Du, was los wäre, wenn sich eine Behörde Dir gegenüber quer stellen würde. Ich nehme auch an, dass das Jobcenter nicht von Dir erwartet, dass Du arbeiten gehst und Dich in Ruhe lässt. Mit einem Kind stehst Du ganz anders da. Außerdem schwebt in Deinem Kommentar die Unterstellung im Raum, ich würde meine Umwelt verfälscht wahrnehmen.

      Solche unterschwelligen Unterstellungen bitte ich zu unterlassen.

  9. Das ist absolut sehr real und diese Erfahrung habe ich zigfach selber erlebt in meinem Leben,von daher nur absolut stimmig und korrekt!!!

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