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Die Dienstagspropheten im Zebrano-Theater

Gestern erhielt ich mal wieder eine Einladung in das Zebrano-Theater in Berlin zu den Dienstagspropheten (hier die eigene Webseite). Da ich abseits meines Wahns für den Heavy Metal (Avant-garde, Symphonic Death und Black Metal, Sleaze, Black Folk Metal, Progressive Metal, Technical Death Metal, Djent, Math… :D) auch auf Kleinkunst, Kabarett und Musik “unplugged” stehe, wurde es endlich mal Zeit, dass ich mich doch mal nach Berlin Friedrichshain bewege und dort der gepflegten (Sub-)Kultur fröhne. Subkultur weil dort anscheinend die Kultur jenseits des Mainstreams bebt.

Die Dienstagspropheten stellen sich auf verlinkter Seite folgendermaßen vor:

Die Dienstagspropheten

Die erste Unplugged-Lesebühne Berlins

Sebastian Krämer, Martin Betz, Georg Weisfeld und Bernhard Lassahn zeigen Ihnen heute schon die Zukunft von gestern: Amüsante Kurzprosa, virtuose Lyrik am Harmonium… und jeden Monat einen neuen Gast.
Das alles in einer gemütlichen Runde, jeden 2. Dienstag im Monat im Zebrano-Theater.

Gast war diesmal Christian Bartel aus Bonn.

Zum Abend:

cybergedeon_Al_music-hall_Insgesamt sind alle Beteiligten wirkliche Verbalakrobaten – sie beherrschen das Spiel mit der Sprache. Aufgrund meiner Wahrnehmung, die allzu schnell überfordert ist, weil gehörte Dinge oftmals Kettenreaktionen auslösen, die dann auch schnell zu einer Überforderung führen, kann ich letztendlich nur sagen, dass ich sämtliche Auftritte der einzelnen Künstler sehr gut fand. Die Vorträge waren allesamt wortgewaltig, -gewandt und auch -wtizig. Der Mann am Klavier gab ebenfalls eine sehr gute Figur ab.  (Er improvisierte sogar über jenes Stück von Hadyn, das uns als Nationalhymnen-Melodie dient. Ich denke, es war eine Herausforderung, das Original zu erkennen.)

So richtig beeindrucken kann mich allerdings immer wieder Bernhard Lassahn. Seine Darbietungen hatten eine Tiefe und einen Gehalt, was sich auf den ersten Blick vielleicht nicht jedem erschließt. Für mich waren einige wichtige Themen zu finden. Nach meinem Verständnis ging es streckenweise um die ewige Suche im Leben nach der Wahrheit – nach dem Sinn, auch nach Zuneigung und Verständnis. Zudem habe ich mich in seinem Beitrag wiedergefunden, weil auch ich in meiner “Sturm-und-Drang-Periode” eher dem düsteren anhängig war.
Bernhard Lassahn packt in einen Nebensatz mehr Inhalt als manche in 10 Hauptsätze.

Der Gast aus Bonn Christian Bartel war zunächst recht anstrengend für mich. Er hat mich über lange Strecken zu sehr an Piet Klocke erinnert. Die Gestik, die Sätze, die nicht zuende gesprochen werden usw. Immer aber, wenn sein eigener Charakter durchkam, hat man gemerkt, dass er selbst als Typ hervorragend herüberkommt. Hoffentlich besinnt er sich ein wenig mehr auf sich selbst als Typ. Christian Bartel hat auch aus seinem ersten Roman “Zivildienstroman” vorgelesen, was ich hervorragend fand. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich dieses Buch lesen. Was ich ihm aber nicht verzeihen kann: Über Hans Söllner sagt man nichts fieses. Hans Söllner ist schon ein sehr cooler Mensch.

Christian Bartel ist einen zweiten Blick wert. Das Publikum hat ihn auch dankbarer aufgenommen als ich. Vielleicht bin ich auch der einzige, der sich an Piet Klocke erinnert fühlte. Sein Umgang mit Worten ist allerdings ein ganz eigener und steckt voller Kreativität.

Die anderen waren auch alle hervorragend. Ich bin halt relativ schnell überladen, die einen Worte haben ihre Wirkung noch nicht entfaltet und schon kommen die nächsten. Das ist für mich z. T. recht anstrengend. Wer aber einmal einen “undergroundigen Poetryabend mit Musik” verbringen möchte, dem sei diese kleine, regelmäßige Veranstaltung sehr empfohlen.

 

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