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Genderkongress – Postmoderne feministische Wissenschaftstheorie

Veröffentlicht

Es folgen rein private Notizen und Assoziationen rund um den Genderkongress 2015 in Nürnberg.

Bei den Assoziationen habe ich meinem Denkapparat viel Raum gelassen und so gut wie nichts kommentiert. Diese Notizen dienen mir zur späteren Betrachtung. Wer sich aber durch meine Notizen durcharbeiten und sie kommentieren möchte: Bitte. 😉

Feministische Wissenschaftstheorie

Postmoderne Ansätze

Viele Ansätze der feministischen Wissenschaftstheorie, wie auch allgemein der feministischen Philosophie, sind stark durch die philosophische Postmoderne beeinflusst. Diese lässt sich als die radikalste Interpretation der linguistischen Wende verstehen. Die zentrale These der linguistischen Wende lautet in Anlehnung an Ludwig Wittgenstein, dass der Zugang zur Wirklichkeit dem Menschen immer nur durch die Sprache vermittelt möglich sei. Da mit einem sprachlichen System auch immer eine bestimmte Perspektive einhergeht, wird im Rahmen der linguistischen Wende oft davon ausgegangen, dass ein rein objektiver Zugang zur Welt, der jede subjektive Perspektive ausschließt, nicht möglich sei. Man könne letztlich nicht aus der eigenen, menschlichen und sprachlich vermittelten Perspektive heraustreten. Von postmoderner Seite wird diese Annahme nun dahingehend radikalisiert, dass behauptet wird, die Idee einer spezifizierten Realität jenseits jeder menschlich-subjektiven Perspektive sei sinnlos.

Die postmoderne feministische Wissenschaftstheorie zieht daraus nun die Konsequenz, dass auch die Annahme von Geschlechtern jenseits begrifflicher Ordnungen sinnlos sei. Man könne sich daher nicht auf eine vorsprachliche Geschlechterordnung berufen, vielmehr würden die Geschlechter in den sprachlichen Praktiken konstruiert. Dies eröffne aber auch die Möglichkeit einer Dekonstruktion der alten Geschlechterordnung. Es wird dabei die Konstruktion einer alternativen oder die Abschaffung jeder Geschlechterordnung angestrebt. Derartige Ansätze sind nicht auf die Wissenschaftstheorie beschränkt, sondern reichen besonders im Rahmen der Queer Theory sehr weit in die feministische Theorie und Praxis.

Dies lässt Rückschlüsse auf die feministische Veränderung der Welt durch Veränderung der Sprache zu.

Gender und Feminismus – Widersprüche?

Warum benutzen „Männerrechtler“ feministische Sprache?

Gender

Der Begriff Gender bezeichnet das durch Gesellschaft und Kultur geprägte soziale Geschlecht einer Person neben ihrem biologischen Geschlecht (engl. ‚sex‘). Gender als das soziale Geschlecht ist ein historisch-gesellschaftlich gewordenes, damit variabel und veränderbar.

Um auch im Deutschen eine sprachliche Unterscheidung zwischen biologischem („sex“) und sozialem („gender“) Geschlecht treffen zu können, wurde der Begriff Gender aus dem Englischen übernommen, da das deutsche Wort Geschlecht in beiden Bedeutungen verwendet wird. Gender dient als analytische Kategorie vor allem in den Sozial- und Geisteswissenschaften (vgl. Gender Studies).

Grundsätzlich bezeichnet GENDER allerdings das grammatikalische Geschlecht. Der zumeist falsch benutzte Ausdruck „Gender“ ist von der Bedeutung her grundsätzlich falsch in der Form, in der Feministen ihn benutzen.

NICHT-Feministen sollten diesen Ausdruck nicht ernsthaft verwenden.


Alles Evolution: Genderkongress in Nürnberg

Arne Hoffmann:

Und natürlich hat sich auch niemand von dem Kongress “herausgefordert gefühlt”, wenn sämtliche Politiker, die als erste Grußworte sprechen sollten, so unter Druck gesetzt wurden, dass sie diese Bereitschaft zurückgezogen hatten …

Christian, du wirst hier kaum jemanden finden, der auf dem Kongress war. Ich bin dort lediglich zwei Leuten begegnet, die auch in der Bloggerszene hochaktiv sind. Einer von ihnen war Professor Buchholz. Im Internet anonym zu diskutieren und bei solchen Veranstaltungen sein Gesicht zu zeigen, sich eventuell auch gewalttätigen Übergriffen auszusetzen, sind zwei grundverschiedene Dinge. Die Diskutierer und die Aktiven sind zwei grundverschiedene Fraktionen in der Männerszene, mit minimalen Überlappungen. Du findest die Leute aus der Blogger-Community auch kaum in Aktivisten-Vereinen wie MANNdat, Gleichmaß und dem Forum Sozialer Inklusion. Insofern sehe ich jetzt auch ein, dass meine wiederholten Versuche, die Blogger-Community zu politischen Aktionen zu bewegen, völlig ins Leere gingen. Man kann Zebras schließlich auch nicht dazu bewegen, jetzt endlich mal Gorillas zu zeugen.

Fraktion

Als Fraktion (in Österreich als Klub bezeichnet) bezeichnet man einen freiwilligen Zusammenschluss von Abgeordneten in einem Parlament oder anderen politischen Gremien (zum Beispiel einem Gemeinderat) zur Durchsetzung ihrer politischen Interessen und Ziele.

 

Diskussion

Eine Diskussion ist ein Gespräch (auch Dialog) zwischen zwei oder mehreren Personen (Diskutanten), in dem ein bestimmtes Thema untersucht (diskutiert) wird, wobei jede Seite ihre Argumente vorträgt. Als solche ist sie Teil zwischenmenschlicher Kommunikation.

Das Wort Diskussion stammt vom lat. Substantiv discussio „Untersuchung, […] Prüfung“[1] ab. Das Verb dazu heißt discutere und bedeutet „eine Sache diskutieren = untersuchen, erörtern, besprechend erwägen“.

Aktivität

aktives Verhalten, Betätigungsdrang, Energie; Wirksamkeit

Handlung, Tätigkeit, Maßnahme

Diskussion erfordert Aktivität.

Aktionismus ist oftmals negativ geprägt.

Der Begriff Aktionismus unterstellt betriebsames, unreflektiertes oder zielloses Handeln ohne Konzept, um den Anschein von Untätigkeit oder Unterforderung zu vermeiden oder zu vertuschen. Aktionismus kann auch bedeuten, dass viele Projekte diskutiert oder begonnen, aber nicht zu Ende geführt werden.

Der Vorwurf des „bloßen/blinden Aktionismus“ wird oft Politikern gemacht. So gibt es auch immer wieder Politiker oder politische Gruppierungen, die mit Meinungsäußerungen und Demonstrationen zu den verschiedensten politischen Fragen hervortreten, darüber aber die zielgerichtete, praktische, der Öffentlichkeit oft schwer vermittelbare politische Arbeit vernachlässigen.

Der Begriff steht auch für unorganisierte politische oder soziale Aktionen, die zwar eine Veränderung bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse bezwecken, deren Ziele aber weder genau definiert noch zu Ende gedacht und deren Konsequenzen meist nicht bedacht sind.

maddes8cht:

Arne, ich lese Deinen Blog durchaus gerne und schätze Dich für vieles, aber dieses rumstänkern gegen die Bloggerszene von sogenannten “aktiven” geht mir zunehmend auf den Sack.

Mit Djadmoros und transhumanist sind schon mal zwei, die sich hier als Teilnehmer outen, auch Quellwerk klingt mit seinem Einstiegkommentar so, als wäre er dortgewesen – sind mind. 3 zusätzlich zu Horst Buchholz.

Was erwartest Du?
soo groß ist die Bloggerszene nun auch nicht. Hier kommentieren ein paar dutzend Leute regelmäßig. Dass sich davon immerhin mehrere auf den Kongress begeben haben, ist doch gar nicht so schlecht ….?
Wer davon sich wie weit durch Deutschland hätte schieben müssen, ist ja auch nicht ohne Belang.

Die Bloggerszene hat ihre eigene Klientel und auch ihre eigene Funktion, außerdem eine sehr viel niedrigere Einstiegshürde. Könnten die “aktiven” das vielleicht auch einfach mal respektieren?

Ist ja nicht so, dass die Bloggerszene irgendwie ständig gegen die “aktiven” stänkern würden.
Ganz im Gegenteil. Die meisten haben einen großen Respekt davor.

Aber für viele ist die Bloggerszene ein erster Anlaufpunkt, um überhaupt mal unabhängig vom Feminismus eine Meinung zu Geschlechterthemen zu finden, die nicht auf permanentem Männerbashing basiert.

Von NICHT-Feminist bzw. dem Umfeld waren ebenfalls 3 Leute vor Ort.

Wir gehören allerdings keiner Fraktion an, wir sind fraktionslos. Auch wenn die Versuchung groß ist, Menschen, die sich als Nicht-Feminist bezeichnen, in einen Sack zu stecken. Ähnelt der „in den Sack und mit der Keule drauf„-Taktik.


 

 

Andere Blogs:

Über die Männerfeindlichkeit der Männeraktivisten

Aktive vs. Blogger vs. Diskutierer

 

Artikel Hoffmann:

https://www.freitag.de/autoren/ahoffmann/was-gegner-des-genderkongresses-verpassten-1

https://www.freitag.de/autoren/ahoffmann/warum-dieser-hass-gegen-den-genderkongress#1449081742996730

http://www.freiewelt.net/blog/nach-dem-genderkongress-10064588/

Andere „Gender-Kongresse“:

Die Vielzahl der Namensüberschneidung ist eher ungünstig. Vom feministischen Sprachgebrauch….

Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW

http://www.netzwerk-fgf.nrw.de/start-netzwerk/

http://www.netzwerk-fgf.nrw.de/koordinations-forschungsstelle/abgeschlossene-projekte/genderkongress2012/

http://genderkongress.blogspot.de/

unbedingt näher ansehen

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57977/Genderkongress-Pro-Quote-und-pro-gemischte-Forschung

http://www.wertepolitik.de/?p=1270

http://genderkongress.com/ –> Ärztekongress

Gegenaktionen

http://www.projekt31.org/calendar/2015-11-26/basteltreff-gegen-genderkongress

Der Nürnberger:

http://www.genderkongress.org/

 


 

Tristan Rosenkranz

Ins Private

Zurück ins Private

Tristan Rosenkranz: „Darum ziehe ich mich von männerpolitischer Arbeit zurück“

Undank ist der Welten Lohn – Was man tun kann

Die Bloggenden und die Arbeitenden: Zum Rücktritt von Tristan Rosenkranz

 

Gleichmaß e. V.: Aktuelle Positionierung unserer Initiative

Vor wenigen Tagen wurde uns bekannt, dass es in der jüngsten Vergangenheit angesichts des in bundespolitischen Gremien mit großem Potential bewerteten Männerberatungsnetzwerkes zu Irritationen hinsichtlich unserer Teilnahme am Gender-Kongress sowie unserer Fachbeirätin Monika Ebeling kam. In diesem Zusammenhang knüpfen wir an unsere im Oktober 2013 veröffentlichte Distanzierung an und erachten eine Klarstellung als notwendig.

Der Gender-Kongress war eine Fachtagung, die die Problemlagen der männlichen Bevölkerung diskutierte und aus unserer Sicht keine politisch fragwürdige Positionen vertrat. Uns ist die Vielfalt einer Debatte ebenso wichtig, wie die Toleranz und das Hinterfragen gegensätzlicher Positionen. Eine Berichterstattung der Leitmedien zum Kongress fand nahezu ausschließlich in den Regionalspalten statt. Einige Medien berichteten zusätzlich nicht mit der journalistisch notwendigen Neutralität. Aus diesem Versagen Rückschlüsse auf die inhaltliche Qualität der Fachthemen und des Publikums besagter Tagung zu ziehen sehen wir aus einer kritischen Perspektive.

…Monika Ebeling beendet ihre Zusammenarbeit, bleibt aber noch erhalten. 😉

Man positioniert und distanziert sich gerne:

19.10.2013 – Distanzierung

Seit geraumer Zeit kursieren in einem bestimmten politischen Umfeld Bestrebungen, gegen Diskriminierung engagierte Männer anhand einiger weniger rechtsextremer oder -populistischer Bauernfänger sowie unseriöser Foren und Websites an den „rechten Rand der Gesellschaft“ zu skizzieren. Angesichts in jüngerer Vergangenheit aufgelegter Schriften eines Hinrich Rosenbrock, Thomas Gesterkamp und Andreas Kemper sehen wir uns dazu verpflichtet, uns mit Blick auf eigene Erfahrungen aufs Schärfste von jeglicher Form des Extremismus sowie Pauschalismus zu distanzieren.

Wir distanzieren uns von jeglicher Form des auch und insbesondere geschlechterpolitisch motivierten Rassismus`, Revanchismus`, Diskreditierens oder Hasses – beidseits. Es ist für uns absolut inakzeptabel, das jeweils andere Geschlecht aus Extrempositionen heraus anzugreifen oder einen nur einseitigen Blick auf komplexe Zusammenhänge vorzugeben. Vielmehr stehen und engagieren wir uns für Geschlechterdemokratie, für Dialog und Brückenbau und für das gemeinsame Erkennen und Aufgreifen von Problemlagen auf weiblicher und auf männlicher Seite. Insofern ist unsere durchaus kritische Arbeit als Ergänzung zu bestehenden Angeboten und keinesfalls als einseitiges Angebot zu verstehen.

Distanzierung (den Abstand vergrößern) bedeutet umgangssprachlich (und soziologisch) das Markieren einer sozialen Distanz zwischen einer Person (einem Akteur) und einer anderen oder einer Tat bzw. Äußerung (Ich distanziere mich von dieser Untat).

Man sollte sich bei ungefragten „Distanzierungen“ allein wegen des Begriffs ein wenig vorsehen.

Weiterhin Männerberatungsnetzwerk: Aktuelle Positionierung unserer Trägerorganisation Gleichmaß e. V.

 

 

3 Gedanken zu „Genderkongress – Postmoderne feministische Wissenschaftstheorie

  1. Danke für die Gedankensplitter. Zu kommentieren gäbe es viel … aber am meisten brennt’s mir bei:

    „Die zentrale These der linguistischen Wende lautet in Anlehnung an Ludwig Wittgenstein, dass der Zugang zur Wirklichkeit dem Menschen immer nur durch die Sprache vermittelt möglich sei.“

    Dabei wird immer vergessen, dass es die Feststellung gibt, dass Sprache nicht steuerbar ist. Unzählige Leute haben das schon versucht, die wollten eine christliche Sprache, eine anständige Sprache, eine grammatisch korrekte Sprache (nach jeweils aktueller Norm), eine NS-Sprache, eine sozialistische Sprache und und und. Hat nie geklappt. Weder bei den Einen, noch bei den Anderen. Aber es wurde trotzdem immer wieder versucht. Wieder ohne Erfolg.
    Aber nicht ganz, denn einen Erfolg gibt es ja – den Scheinerfolg für sich selbst. Man hat was geschafft, ein böses Wort wird nicht mehr gesagt. Aber was hat man tatsächlich geschafft? – Bloß ein Tabu, nichts weiter. Und das Beschriebene lebt weiter … unter anderem Namen. Nehmt bloß mal psychiatrische Begriffe für intelligenzgemindert, da gibts unzählige, und die meisten waren mal hichanständige Fachbegriffe.

    Und sowieso halte ich Wittgensteins These für falsch. Erstens ist Denken nicht ausschließlich an Sprache gebunden und zweitens bleibt die Henne-Ei-Frage im Raum: Folgt das Wort dem Denken oder das Denken dem Wort? Oder beides?

    Nur eins steht fest: Die Manipulation der Sprache ist ein typisches Symptom totalitärer Ideologien. Umso mehr, wenn diese Manipiulation unter Androhung von Gewalt erfolgt.

    Soweit mein Senf. Wittgenstein war Philosoph, nicht Psychologe. Vielleicht hätte es ihm gutgetan, mal ein paar Ergebnisse der empirischen Psychologie genauer zur Kenntnis zu nehmen. Und außerdem ist inzwischen auch viel wissenschaftliches Wasser den Berg hinuntergeflossen.

    Wäre gerne mal dabeigewesen, aber ich hab auch so schwerst zu tun 😉

  2. 🙂
    Zu Wittgenstein fällt mir noch ein: Irgendwie erinnert mich das Ganze an bestimmte fernöstliche Denkmodelle, zumal das was richtig Religiöses hat. Und das findet man dann ja auch bei dieser poststrukturalistischen PC- und Genderszene wieder. Ich bezweifle, dass auch bloß ein Zehntel von denen ein Hundertstel von dem kapiert, was sie selber erzählen. Wie ein religiöser Wahn.

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